Der zweite Workshop „Streetfotografie“ in diesem Jahr fand in einem für uns neuen Seminarraum statt: dem Photostudio Ottensen. Auch diese Location bietet uns wieder den gewohnten Komfort und wir haben uns dort sofort wohlgefühlt.
Wie üblich starten wir wieder mit der Pflicht, also der Theorie, damit wir uns dann in der Kür (in diesem Fall auf der Straße) so richtig ausleben zu können. Allen Teilnehmern sind die Grundregeln der Fotografie, die auch in der Streetfotografie gelten, bekannt. So können wir uns schnell auf die Besonderheiten dieses faszinierenden Genres konzentrieren. Wir beschäftigen uns mit Kameraeinstellungen die uns helfen, in unvorhergesehenen Situationen schnell zu reagieren. Es werden aber auch hilfreiche Strategien vorgestellt, die dazu beitragen können, dieses Problem zu bewältigen. Die dann folgenden Übungsvorschläge zur selektiven Wahrnehmung sollen uns in die Lage versetzen, das vorrangige Ziel der Streetfotografie zu erreichen: Mit nur einem Bild eine Geschichte zu erzählen, indem man zwei oder mehrere Bildelemente in eine Beziehung zueinander setzt. Darüber hinaus wird anhand verschiedener Bildbeispiele gezeigt, wie man auch ohne Einbeziehung des Menschen, allein durch geschickte Darstellung graphischer oder architektonischer Elemente, hervorragende Streetfotos entstehen können.
Aber grau ist alle Theorie, und so geht es nach zwei Stunden in die Praxis. Auf dem Kult-Flohmarkt „Floh-Schanze“ und im nahegelegenen Karo-Viertel finden sich unzählige Situationen und interessante Details. Anschließend ziehen wir weiter in die neue Shoppingmeile „Stadthöfe“. Interessant für uns sind hier die vielen Innenhöfe und Torbögen, an deren gekachelten Wänden es immer tolle Lichtreflexe gibt. Durch das Gegenlicht am Ende der Bögen sind die Passanten nur als Silhouette zu sehen. Zusammen mit den Schaufenstern der Geschäfte ergibt das interessante Bilder, bei denen dann sogar dem Datenschutz genüge getan ist. Wir schließen den Tag im Parkhaus Rödingsmarkt ab. Hier erwarten uns spannende grafische Elemente, Schilder und Piktogramme und wir können uns nochmal so richtig fotografisch austoben.
Die graphischen Elemente des Parkhauses waren eine schöne Überleitung zum nächsten Morgen. Wir treffen uns an der Hafenkante, der neuen Flutschutzmauer mit ihren Treppen und Handläufen sowie der nahen Elbphilharmonie im Hintergrund. Trotz der frühen Stunden sind hier schon einige Touristen unterwegs, die uns als Fotografen aber kaum wahrnehmen. Wir bekommen bestätigt, was wir im theoretischen Teil des Workshops erfahren haben: Touristische Bereiche sind eine ideale Umgebung besonders für Streetfotografen, die eine Scheu davor haben, Menschen in ihre Bildkomposition einzubeziehen. Wir schließen unsere praktischen Übungen wie immer auf der Plaza der Elbphilharmonie ab. Auch hier gibt immer wieder neue Situationen und Perspektiven, zumal dieser touristische Hotspot nicht so überlaufen ist wie in den Zeiten vor Corona.
Die abschließende Sichtung, Bearbeitung und Besprechung unserer Ergebnisse im Seminarraum führt wie immer zu anregenden Diskussionen. Diese sind ein wesentlicher Bestandteil aller Freiraum Workshops und runden den Lernerfolg ab.
Neben neuen Erkenntnissen, Erfahrungen und Inspirationen hatten alle Teilnehmer auch viel Spaß in entspannter Atmosphäre. Freiraum wird deshalb diesen Workshop auch im nächsten Jahr wieder anbieten.