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Mittwoch, 05 April 2017 23:44

29.03. - 02.04.2017 Fotoworkshop Anfänger

Geschrieben von 


Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne….

Diese Zeile aus Hesses Gedicht „Stufen" passt zu unserem Workshop „Anfänger“, den wir wieder einmal in Glückstadt durchgeführt haben.

Ja, von der Fotografie geht schon ein Zauber aus. Einen Moment, kürzer als ein Wimpernschlag, im Bild festhalten zu können für immer. Das birgt schon einen Zauber in sich.

Für manchen mag es auch eine Art Zauberei sein, dass andere wunderschöne, ergreifende und ausdrucksstarke Bilder mithilfe eines kleinen Kastens produzieren und man selbst vom selben Standort aus wieder einmal ein geknipstes Bildchen zustande gebracht hat. Vergleicht man beide Bilder, dann ist der Zauber schnell verflogen.

Soviel zum feeling der meisten Teilnehmer unseres Anfänger-Workshops. Das gilt für jene mehr, die „ganz neu“ die Fotografie entdecken wollen, und die anderen ein bisschen weniger, die schon länger dabei sind, aber noch nicht den richtigen Ansatz gefunden haben oder glauben, noch auf der Suche nach diesem sind.

Nun, es ist richtig, dass jede Kunst - so auch die Fotografie - von einem Zauber umgeben ist. Diesen gilt es nicht zu entschlüsseln, sondern zu genießen. Zauberei allerdings ist die Fotografie nicht. Sie kann erlernt werden und mehr und mehr zur festen Basis werden, um sich informativ und emotional mit anderen Menschen auszutauschen.

So viele Knöpfe und Zeilen im Menü...

Der ersteTag ist immer der schwerste. Er hat etwas von einem Blindflug, bei dem nur eines wünscht: Orientierung und eine weiche Landung. Dass beides gelingen wird, wissen zu dieser Zeit nur die Referenten, die ihre „Schüler“ zu Recht trösten können mit den Worten „Wie werden Euch am Ende alle glücklich machen“. Das mag sich pathetisch anhören, kommt am Ende des Workshops aber immer in Einklang.

Orientierung bedeutet beim klassischen Anfänger, dass er erst einmal den Finger über die Kamera gleiten lässt und erfährt, auf was er neben dem Auslöser noch alles drücken kann und soll, damit die ganze Sache stimmig wird. So viele Knöpfe und Zeilen im digitalen Menü. Und dann noch all diese Begriffe wie Schärfentiefe, Grauwert, Bildwinkel, Goldner Schnitt, Spotmessung und so weiter, und so fort. Dazu dann die flotten Sprüche wie „Vordergrund macht Bild gesund“…

Immerhin, von Blende, Zeit und ISO-Wert haben alle schon einmal etwas gehört. Na also, das ist doch schon die halbe Miete. Genau da setzen die drei (!!!) Referenten an, um Stück für Stück das Medium zu entzaubern. Mit der starken Dreier-Präsenz haben wir Referenten die Möglichkeit auf jeden Einzelnen der sieben Teilnehmer einzugehen und geduldig die nächste Stufe zu erklimmen.

Lücken füllen

Doch da sind ja noch die nicht-klassischen Anfänger, die schon einiges auf dem Radar haben, aber doch einige Lücken füllen möchten. Das ist für die Referenten leicht und schwer zugleich. Leicht, weil man mit dem Grund- und vorhandenem Detailwissen eine gute Basis hat. Schwer, weil sich mancher so gar nicht von lieb gewordenen Gewohnheiten trennen mag. Denn das fällt vielen schwerer als ganz unbeleckt von vorne anzufangen.

Und so mancher Fortgeschrittenen-Anfänger schleppt ja auch so manche dahingeredete Weisheiten mit sich herum. Da hat ´mal jemand gesagt, man dürfe niemals ein Bild verändern, das mache ein guter Fotograf nicht und sei außerdem verboten. So viel Sachkenntnis auf einmal hat auch schon einen gewissen Zauber. Da gilt es intensive Überzeugungsarbeit zu leisten. Etwa mit Vergleich, dass man sich zu analogen Zeiten auch kein Negativ oder Dia als Bild an die Wand genagelt hatte, sondern erst entwickeln musste. Und  genau so ist es mit der digitalen Bildvorlage, natürlich in höchster Güte im RAW-Format erstellt. Und diese müssen entwickelt werden, weil sie nur Bild-Vorlagen mit einer Ansammlung digitaler Werte sind. Der Unterschied zu früher ist nur: früher wurde chemisch entwickelt, heute am Computer physikalisch.

Alte Gewohnheiten

Und dann ist da noch der Workflow in der Bildbearbeitung. Anstatt die logischen Wege des ausgeklügelten Bearbeitungsprogramms zu beschreiten, hält man wie in Stein gemeißelt alten Gewohnheiten die Treue. Da werden nach dem Importieren gleich ein paar Bilder entwickelt und möglichst viele gelöscht. Anstatt erst einmal eine Auswahl zu treffen, welche Bilder in die Auswahl zur Entwicklung kommen. Sinnvolles, ökonomischen Vorgehen spart Zeit und späteren Ärger.

Nun, da tut sich der Referent oft schwer, hat mehr Überzeugungsarbeit zu leisten als beim klassischen Anfänger. Und in jenen schläft so manches Talent. Da müssen jetzt nur die Flügel wachsen und die Scheu vor dem kleinen schwarzen Kasten sinken. Im Vorteil sind meistens jene, die sich mit der Technik der Kamera herumschlagen. Denn die Bedienung kann man lernen, Kreativität, Instinkt und feingeistiges Empfinden aber nicht.

Jeder, der bei der Fotografie an den Start geht, kann ein guter Fotograf werden. Allein der Wunsch zu fotografieren und sich von dieser Art der Darstellung angezogen zu fühlen, kann mit dem nötigen Fleiß, Durchhaltevermögen über die Freude in der Faszination enden. Beispiele dafür gibt es viele. Ich habe in meinen rund 30 Jahren als Fotolehrer viele Anfänger erlebt, denen man zu Beginn „den Finger an den Auslöser führen musste“ und die heute wahre Meister sind.

Es gibt aber auch eine - kleine - Fraktion der „Techniker“, die fast alles über die Gerätschaft und Theorie der Fotografie wissen, sich mit ihrem überzogenen Sachdenken aber im Wege stehen. Aber auch jene erfuhren schon Heilung…

Am Ende glücklich

Aber was macht nun einen guten Fotografen aus? Das möchte man natürlich wissen, wenn man am Anfang steht als verunsicherter Anfänger eines Anfänger-Workshops. Die Guten sind gefühlvolle Menschen, die sich ein ordentlich Maß Phlegma erhalten haben, intuitiv handeln und neugierig sind. Wenn dann noch Geduld (im richtigen Moment auch Ungeduld), die Bereitschaft hinzukommt, Fehler zu machen und über sich selbst zu lachen, dann spürt man den Zauber der Fotografie und weiß, dass es keine Zauberei ist.

Jetzt hat mich der Einstieg mit Hesses Gedicht-Zeile doch ein wenig vom Weg abgebracht. Obwohl es doch dem Kern nahe kommt, die Fotografie in ihrer ganzen Pracht zu entdecken und zu verinnerlichen.

Um es noch einmal kurz und sachlich zu sagen: der Anfang war - wieder einmal - schwer für die Anfänger. Die Leichtigkeit machte sich von Stunde zu Stunde und von Tag zu Tag - wieder einmal - breit. Und am Ende waren - wieder einmal - alle glücklich, dem Medium Fotografie ein so großes Stück näher gekommen zu sein.

Wir waren ein tolle Truppe, es gab viel zu lachen, traumhaftes Frühstück und leckeren Apfelkuchen im „Brückenhaus“ bei Ilona und Maren. Am Abend frischen Küstenfisch im „Kleinen Heinrich“ oder an der Nordseeküste.

Die Bildergebnisse waren großartig.

Kurz: Es war einfach zauberhaft...

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